Geschichte Saalfelder Feengrotten

Das Schaubergwerk Saalfelder Feengrotten hat seit seiner Eröffnung im Jahre 1914 unzählige Menschen aus aller Welt beeindruckt und bis heute nichts von seiner Faszination verloren.

„Wände spiegeln sich in der ruhigen Wasserfläche, Stalaktiten, Kaskaden und Terrassen, Wandbehänge und Verzierungen glaubt man von unten herauf wachsen zu sehen. Von gleißenden Farben und verschwenderischer Pracht ist alles erfüllt, die ganze Erhabenheit unberührter Natur kommt hier zum Ausdruck.“  So beschrieb einer der unbekannten Entdecker im Dezember 1913 den Anblick des Märchendomes, dem wohl schönsten Teil der heutigen Grotten.

Änne Renner-Meyer, die Frau eines Mitentdeckers, des Geologen Hermann Meyer, hielt ihre Begeisterung mit folgenden Worten fest:

Im Märchendom (aus dem Weihnachtsbüchlein 1936)
 
Wie in einem holden Wunder steh‘ ich träumend, abgeschieden von des Tages rauhem Leben. Fern verrauscht die laute Welt.
Ach, und tiefster, reinster Frieden, der mich weich umfangen hält. Läßt die Seele mir erheben, und ich fühle, hingegeben, wie die Schwere von mir fällt.

Auf die Kniee möcht‘ ich sinken mit verklärtem Angesicht, blick‘ ich in das fromme Licht. Ganz der Wirklichkeit entrissen,
wähn‘ ich mich zu Gottes Füßen,
der mit einem märchensüßen Traume mir zum Herzen spricht.

Doch bevor die Besucher so ergriffen über die Schönheit der Feengrotten schwärmen konnten, ging der Entstehung des Schaubergwerkes eine wechselvolle Geschichte voraus.

Bereits im 13. Jahrhundert, vielleicht aber noch früher, war man in diesem Gebiet in das Innere des Berges gedrungen. Erste Aufzeichnungen zum Bergbau rund um Saalfeld gehen auf den Saalfelder Christoph Enzelt zurück, der 1551 als Gelehrter und unter dem lateinisierten Namen Encelius im Buch „De re metallica“ Mineralien beschrieb, die er in seiner Kindheit zwanzig Jahre früher in Saalfeld sammelte. Ein halbes Jahrhundert später wird eine Vitriolhütte im Garnsdorfer Tal erwähnt.

Die Saalfelder Alaungruben gehörten damit wahrscheinlich zu den ersten in Deutschland, denn erst die Reformation machte es möglich, den Schiefer abzubauen und Alaun daraus zu gewinnen. Bis ins 15. Jahrhundert wurden die weißen Alaunkristalle aus dem Orient eingeführt, was sie sehr wertvoll machte. Der erste Fundort von Alaunstein auf europäischem Gebiet lag bei Rom – und gehörte dem Vatikan. Papst Pius II. sicherte sich per Papstbulle diese Einnahmequelle. Wer sich diesem Erlass widersetzte und Alaunschiefer abbaute, dem drohte der Kirchenbann.

Kein Jahrhundert hatte diese Drohung Wirkung. Inzwischen waren auch Verfahren entwickelt worden, Alaun aus dem häufiger vorkommenden Schwarzschiefer zu gewinnen. Dieses Mineral wurde in Verbindung mit Schwefelsäure und Kupfer oder Eisen zum blauen oder grünen Vitriol und damit als Farbstoff genutzt. Alaun wurde aber auch zum Imprägnieren von Stoffen, als Brandschutzlasur für Holz und in der Papierherstellung eingesetzt. Bis heute dienen die keimtötenden Alaunkristalle als natürliches Deodorant oder als Blutstiller. Männer kennen die Stifte als Helfer nach einem kleinen Schnitt bei der Rasur. Im Mittelalter brauchte man Alaun auch als Zusatz beim Gerben von Leder.

Ein Jahrhundert lang florierte der Bergbau im Garnsdorfer Tal, dann machte der Dreißigjährige Krieg auch die Bergleute zu Soldaten, die eigentlich von Militär- und Frondiensten befreit waren. Der Niedergang hinterließ seine Spuren, denn erst Mitte des 18. Jahrhunderts wird wieder vom Schieferabbau am Arnsgereuther Bach berichtet.

Der Saalfelder Alaun- und Vitriolsiedemeister Johann Jakob Nolde hatte sich mit einem Amtmann aus Weida zusammengetan und eine sogenannte Gewerkschaft gegründet. Der Weidaer Johann Ehrenreich Jeremias fungierte wohl als Geldgeber für den Saalfelder Fachmann, vor allem aber als Namensgeber für die Grube, die seither  „Jeremias Glück“ hieß. Aber das Geld reichte nicht, denn schon drei Jahre später, 1760, kam „Jeremias Glück“ in den Besitz der Leipziger Kaufmannsfamilie Frege. Jetzt begann ein Jahrhundert des kontinuierlichen Abbaus von Alaunschiefer zur Vitriolgewinnung. Reich machte das die Grubenbesitzer nicht, denn immer wieder mussten sie Geld zuschießen, und die mäßigen Gewinnphasen waren nur kurz. Selbst als August Breithaupt, Mineraloge und Professor aus Probstzella an der Bergakademie Freiberg, 1816 in den nicht mehr verwertbaren Vitriolschlämmen Gold und Silber fand, brachte das den Eignern nur vorübergehend eine Einnahmequelle. Breithaupt beschrieb 1837 als Erster das Mineral Diadochit, aus dem die Tropfsteine der Feengrotten bestehen.

Die Ausbeute der Grube wurde durch die wissenschaftliche und industrielle Entwicklung im 19. Jahrhundert geschmälert. Alaun und Vitriol ließen sich synthetisch einfacher und damit effektiver herstellen, und so wurde 1855 der letzte Schiefer aus „Jeremias Glück“ gefördert. Ein paar Jahre ließen sich die über Tage gelagerten Reste des Gesteins noch auswaschen, doch 1860 gab Dr. Waldemar von Frege die Zeche ins Bergfreie, womit die Grube für jedermann offen stand.

Sieben Jahre später begann der Saalfelder Kaufmann August Wohlfahrt, Ockerschlamm aus den im langen Gang zwischen zweiter und dritter Sohle von „Jeremias Glück“ angestauten Grubenwässern zu gewinnen. Jetzt wurden nicht mehr Bergknappen von früher gebraucht, um das Gestein durch enge Gänge und über schmale Fahrten zu buckeln. Jetzt genügte ein einziger Bergmann. Diesen Dienst übernahm für Jahrzehnte Albert Blechschmidt in Wohlfahrts Auftrag. Doch auch August Wohlfahrt, zeitweise unterstützt von seinem Bruder Louis Wohlfahrt,  setzte die aufkeimende chemische Industrie zu. Die Ockergewinnung zur Farb-produktion rentierte sich nicht, weil künstliche Farben billiger und in besserer Qualität auf den Markt kamen.

Bemerkenswert war, dass Albert Blechschmidt, der sich viele Jahre um „Jeremias Glück“ kümmerte, immer wieder betonte, dass er sich „bei der Arbeit viel wohler als sonst“ fühlte. So wurden Saalfelder Wissenschaftler und Mediziner auf das alte Bergwerk aufmerksam. Sebastian Kneipp und die Lebensreformbewegung hatten die Naturheilkunde salonfähig gemacht. Also könnte der Ockerschlamm doch auch für medizinische Packungen zur Linderung von Gicht- und Rheumabeschwerden dienen. Die Garnsdorfer nutzten dieses Mittel und das Grubenwasser schon lange mit Erfolg.

1907 beschrieb Emil Kircher, der Rektor des Saalfelder Realgymnasiums, erstmals die natürliche Radioaktivität im Ockerschlamm und Wasser. 1910 bestätigen wissenschaftliche Analysen den hohen Mineralgehalt des Wassers, das aus der seit einem Jahr geschlossenen Grube austrat.

Nachdem Otto Wohlfahrt „Jeremias Glück“ von seinem Onkel August übernommen hatte, wuchsen in ihm Heilbad-Pläne, zumal sich die Zusammenarbeit mit dem Waldsanatorium Sommerstein gegenüber anbot. Dazu mussten die Quellen des Heilwassers im inzwischen verfallenen Bergwerk gefunden werden - ein teures Unterfangen. Trotz Wohlfahrts Bemühungen, eine Aktiengesellschaft zur Finanzierung zu gründen, ging ihm das Geld aus.

Doch hatten die Saalfelder Wissenschaftler – wie Kircher, der Geologe Hermann Meyer und der Arzt Dr. Helmkampf, der Leiter des Krankenhauses – inzwischen den Berliner Geologen Dr. Hans Hess von Wichdorff von der Kaiserlichen Geologischen Landesanstalt gewinnen können, ihre Untersuchungen fachlich zu begleiten. Sie waren am 23. Juli 1910 zum ersten Mal zu Analysezwecken in die Grube eingefahren und hatten das Potential der Wiederaufwältigung zur medizinischen Nutzung erkannt. Nun, als Wohlfahrt verkaufen musste, vermittelte Hess von Wichdorff einen potenten Käufer aus Berlin: den Kaufmann Adolf Mützelburg.

Stück für Stück wurde nun „Jeremias Glück“ von eingestürztem Gestein und zähem Ockerschlamm beräumt, immer dem Fluss des Wassers nach. 1913 waren die Quellgrotten gefunden, und dann geschah beinahe ein Unglück. Eine große Masse Schlamm ging plötzlich nach unten ab und riss um ein Haar einen Bergmann mit. Doch aus dem Unglück wurde Glück: Die Männer hatten die dritte Sohle der früheren Zeche gefunden und standen im Butterkeller. Noch nie hatten sie eine derart große Ansammlung von Diadochit gesehen. Und erfahren wie sie waren, ließ sie ein Echo hinter dem nächsten Schuttkegel weitere Hohlräume vermuten.

Wieder half ein Zufall, der zunächst eine Unachtsamkeit war. Eine der Grubenlampen, ein sogenannter Frosch, fiel um und flackerte im Fallen auf. Und was die Männer sahen, machte sie ehrfürchtig und ergriffen. Sie standen im Märchendom. Es war der 22. Dezember 1913. Hermann Meyer hielt diesen bewegenden Moment wie folgt fest: „Und als das Lampenlicht die Finsternis durchbricht – wer wagt da ein Wort zu sprechen! – Ehrfurchtsgebietend, feierlich, erhaben in unangetasteter Reinheit und Pracht stand der Märchendom mit seiner Gralsburg vor den Entdeckern“.

Die Schönheit und Farbenpracht bewegten auch den Wissenschaftler Hess von Wichdorff, der an der Namensgebung „Feengrotten“ mitwirkte. Für Mützelburg stand nun fest: Das muss die Öffentlichkeit sehen! Es dauerte kein halbes Jahr, und sein Plan eines Schaubergwerkes war Realität. Die Wege waren geebnet, elektrisches Licht, das längst noch nicht in allen Saalfelder Wohnungen brannte, erleuchtete die unterirdische Farbenpracht. Und genau heute vor einhundert Jahren, am Pfingstsonntag 1914, fuhren die ersten Besucher in die „Saalfelder Feengrotten“ ein, um sich genauso verzaubern zu lassen, wie es Butterkeller, Gralsburg  Märchendom das noch heute tun.

So prägte bereits 1914 Professor Ernst Haeckel, ein berühmter Naturforscher seiner Zeit, zur Eröffnung der Schaugrotten das Zitat: „Lägen diese Grotten nicht in Deutschland, sondern etwa in Amerika, wäre man längst aus aller Welt dorthin gepilgert!“

Zwei Monate später war Krieg. Der erste Weltkrieg beendete beinahe Mützelburgs Traum von einer Touristenattraktion für jedermann, die damals noch Ausflugsziel für Sommerfrischler hieß. Gerade einmal 15 000 Besucher kamen in den Kriegsjahren – viel zu wenig, um die laufenden Kosten zu decken.

Doch Adolf Mützelburg ließ nicht locker. Er und seine Frau Berta steckten ihr Vermögen und ihre Kraft in die Feengrotten, sie zogen nach Saalfeld, sie beteiligten sich am gesellschaftlichen Leben. Und sie kurbelten in den Nachkriegsjahren die Werbung für ihr Schaubergwerk an. Ab den 1920er Jahren verkehrte eine feengrotteneigene Buslinie zwischen Bahnhof, Saalfelder Markt und Garnsdorfer Tal. Da kamen Jahr für Jahr schon um die 100 000 Besucher in die Feengrotten.

Auch Siegfried Wagner, ein Sohn des Komponisten Richard Wagner, war vom Anblick der Grotten so angetan, dass er das Motiv als Bühnenbildvorlage für die Oper „Tannhäuser“ im Rahmen der Bayreuther Festspiele in den 1920er Jahren nutzte. Die Venusgrotte soll eine naturgetreue Wiedergabe des Märchendomes gewesen sein.

Parallel zum touristischen Betrieb der Feengrotten trieb Mützelburg die medizinische Nutzung der Heil- und Mineralwässer voran. 1924 gründet er dazu das Quellforschungsinstitut, das 1927 in dem nach nur einem Jahr Bauzeit fertig gestellten Quellenhaus seinen Platz fand. Mediziner in Berlin und Breslau behandelten Patienten mit Saalfelder Heilwasser und Tabletten aus Bergbutter – und beschrieben ihre Erfahrungen: Gewichtszunahme, gestiegener Appetit, besseres Blutbild.
Auch das Grubenklima selbst wurde untersucht nachdem sich die Atemwegsbeschwerden erkrankte Mitarbeiter auf unerklärliche Weise deutlich verbesserten. Man fand heraus, dass dies der extrem reinen und feuchtkühlen, leicht radioaktiven Luft zu verdanken war. Diese Erkenntnis führte 1937 zur Eröffnung des Inhalationsheilstollens „Emanatorium“, der erste Heilstollen dieser Art in Deutschland.

Da hatte Adolf Mützelburg schon lange mit den Auswirkungen von Inflation und Weltwirtschaftskrise zu kämpfen. Als er am 25. Oktober 1931 starb, hinterließ er seiner Witwe ein hoch verschuldetes, aber weithin bekanntes Unternehmen. Nun sprangen die Stadt und der Landkreis Saalfeld je zur Hälfte als Besitzer ein und erhielten so die Feengrotten für die Öffentlichkeit.

1933 kam zum Angebot aus den Feengrotten das Mineralwasser „Gralsquelle“ hinzu, das nicht nur die Besucher erfrischte. Eigene Vertreter verkauften es deutschlandweit. Die „Gralsquelle“ wurde selbst in Leipziger und Berliner Hotels getrunken. Was sich später zur Katastrophe auswächst, brachte dem Schaubergwerk zunächst sprunghaft steigende Besucherzahlen. Dank der nationalsozialistischen Bewegung „Kraft durch Freude“, die ganze Züge nach Saalfeld schickte, kamen Jahr für Jahr mehr Gäste. 1937 sahen 200 000 Menschen die Feengrotten. Im selben Jahr wurde der Brunnentempel mit einer Nacht der Tausend Lichter eingeweiht. Der Reichsrundfunk übertrug das Ereignis an die Volksempfänger in ganz Deutschland – wie schon das 20-jährige Feengrottenjubiläum drei Jahre zuvor.

Auch der Zweite Weltkrieg brachte das Schaubergwerk als Unternehmen fast zum Erliegen. Nun dienten die Grotten als Luftschutzkeller für die Bewohner der oberen Stadt. Als die Saalfelder Feengrotten und Heilquellen GmbH 1947 volkseigen wurde, gab es nicht mehr viel zu enteignen. Vor allem das Quellforschungsinstitut – Mützelburgs Stolz und als ständige Untersuchungsstätte des Heilwassers Garant für dessen Qualität – wurde als Reparationsleistung demontiert und aufgelöst.

Aber auch im VEB Saalfelder Feengrotten und Heilquellen arbeiteten Menschen, die sich als Bergleute verstanden und die Naturschönheiten erhielten. Und schon Ende der 1940er Jahre wurden Sommerfeste an den Feengrotten gefeiert. Wieder fuhren Sonderzüge im Saalfelder Bahnhof ein. Die Feengrotten waren Ziel von Brigadefahrten, Ferienlagergruppen und FDGB-Urlaubern. Außerdem wurde die einzigartige Attraktion gern den Delegationen der sozialistischen Brudervölkern gezeigt. Und selbst Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht hat die Feengrotten besucht.

Das Jahr 1954 endet mit dem absoluten Besucherrekord von fast einer halben Million Gäste. So viele wurden es später nicht wieder, aber in den Sommermonaten sind 3 000 Menschen pro Tag, die in Hunderter-Gruppen durch die Feengrotten geschleust wurden, keine Seltenheit. Die Grotten litten darunter.

Hinzu kam, dass Material und Handwerkerleistungen knapp waren in der DDR. Und so mussten mehr und mehr Provisorien den Besucherbetrieb aufrecht erhalten. Die Bebauung des Außengeländes – unter Mützelburg harmonisch aufeinander abgestimmt – wurde durch den Abriss eines Pavillons und das Errichten von hässlichen Anbauten an der Grottenschenke und am Quellenhaus zerstört. Der Heilstollen wurde 1965 geschlossen.

Die Feengrotten, die seit 1969 zum VEB Brauhaus Saalfeld gehörten, verloren zehn Jahre später auch noch die Abfüllanlage für das Mineralwasser „Gralsquelle“. Weil es in Tankfahrzeugen durch die Stadt zum Brauhaus gefahren wurde und nicht direkt von der Quelle in die Flasche kam, durfte sich die „Gralsquelle“ nur noch Tafelwasser nennen. Schon 1964 waren die Heilquellen versiegt, nachdem die Wismut AG auf der Suche nach Uran zwei Bohrungen in Feengrottennähe gesetzt und unsachgemäß verschlossen hatten.

Besonders bedenklich aber wirkten sich die Besuchermassen auf die Grotten aus. Sie brachten Wärme mit, und das dauernd brennende, überdimensionierte Licht förderte die Besiedlung der Felswände und Tropfsteine mit Algen und Moosen, sogenannter Lampenflora. 1987 wurden die Feengrotten erstmals von November bis Januar geschlossen. Die nun einsetzende vorsichtige und fachmännische Reinigung unter Tage dauerte zwei Jahre – und zeigte Erfolg.

Mit großer Freude konnte 1990 der 15-millionste Besucher begrüßt werden. Da stand den Feengrotten ein erneuter Besitzerwechsel ins Haus, den die friedliche Revolution erkämpft hatte.

20 Jahre Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Vom Schaubergwerk zur Erlebniswelt

Im Jahr 1991 erfolgte die Rückübertragung der Feengrotten an die einstigen Besitzer Kreis und Stadt Saalfeld zu gleichen Teilen; fortan wurden das Schaubergwerk als Regiebetrieb der Stadt Saalfeld geführt. In den Folgejahren diskutierte und entwarf man zahlreiche Varianten, um die bis dato kommunal verwalteten Feengrotten auf eigene Füße zu stellen, den enormen Investitionsstau zu beseitigen und eine spürbare Aufwärtsentwicklung des Besuchermagneten zu gewährleisten.

Die Ausgangssituation war sehr schwierig: Die Feengrotten waren zwar seit jeher ein beeindruckendes Naturschauspiel unter Tage, doch nahezu alles über Tage war geprägt vom Massentourismus und Mangelwirtschaft. Eine Sanierung der maroden Gebäude war überfällig, der Putz bröckelte sichtbar, und das nicht nur an den Fassaden. Selbst Freianlagen, Parkflächen und Wege waren in einem schlechten Zustand. Eine liebevolle Gestaltung, Bepflanzungen und Ausstattungen fehlten; von einer einladenden Atmosphäre konnte im Feengrottenpark nicht die Rede sein.

Die Aufenthaltsdauer der Gäste betrug selten mehr als eine Stunde; nach einer Führung waren sie wieder verschwunden, vielleicht mit einem der wenigen Souvenirs, die als Mitbringsel an einem der Stände erworben werden konnten. Überdachte Aufenthaltsgebäude gab es noch nicht. Selbst bei Wind und Wetter nahmen sie Wartezeiten von bis zu zwei Stunden in Kauf - einmal zum Erwerb einer Eintrittskarte und nochmal so lange bis zum Beginn ihrer Führung, an der nicht selten an die 100 Personen teilnahmen.
 
Am 1. Mai 1994 wurde dann eine Betreiber-Gesellschaft gegründet, deren Gesellschafter zu jeweils 50 % der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und die Stadt Saalfeld waren. Seit 1996 ist die Stadt Saalfeld alleiniger Gesellschafter der Feengrotten-Park-GmbH. Ihr Auftrag bestand darin, die Organisations- und Vertriebsstruktur des Unternehmens zu effektivieren sowie eine Vermarktung der Feengrotten über die Grenzen Thüringens hinaus aufzubauen.

Eine der ersten Investitionen im Feengrottenpark war die Errichtung eines großzügigen Abenteuerspielplatzes im Jahr 1995, der noch heute ein beliebtes Ausflugsziel für Familien und Kindergruppen ist. Die neu eingeführte musikalische Untermalung des Lichtspiels im Märchendom - anfänglich mit Franz Schuberts „Die Nacht“, gesungen von den Saalfelder Vokalisten - wertete fortan das Besuchserlebnis der Feengrotten deutlich auf. Im Winter 1995/ 96 kam es zur Freilegung einer weiteren Grotte, der Schwarzen Grotte.

In den Folgejahren 1996 bis 1998 legte die Gesellschaft ihren Fokus auf die grundhafte Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles im Feengrottenpark; Brunnentempel und Grottenschenke sowie der Wege und Freianlagen des ca. 6 ha großen Feengrottenparkes wurden einer umfassenden Verschönerungskur unterzogen. Auch ein großzügiger Besucher-Parkplatz und ein Abwassersystem wurden errichtet. Den Schwerpunkt bildete die Generalsanierung des Quellenhauses. Bauarbeiten vom Kellergeschoss bis zum Dach prägten über viele Monate das Geschehen, bevor das zentral gelegene Gebäude wieder in altem Glanz erstrahlte. Die Sanierungsarbeiten am und im Quellenhaus wurden 1997/98 mit der Wiedereinweihung der umgestalteten Gaststätte Feengrotten und des Herbergsbetriebes beendet.

1998 entstand der Handwerkerhof als Neubau mit einem attraktiven Wartebereich für die Besucher. In kleinen Souvenirläden werden typische regionale Produkte und kulinarische Spezialitäten, aber auch feenhafte und bergmännische Andenken sowie Edelsteine und Thüringer Glaskunst angeboten. Nach umfassender Restaurierung und Abriss von Zweckanbauten erfolgte die Neueröffnung der historischen Grottenschenke. Hier laden ein gemütlicher Gastraum, eine großzügige Außenterrasse und ein Imbissbereich zum Verweilen ein. Über viele Jahre verlief ein Großteil der Baumaßnahmen zeitgleich und bei laufendem Besucherbetrieb; eine gemeisterte Herausforderung für alle Beteiligten.

Darüber hinaus entstanden neue Angebote, die das Leistungsspektrum der Feengrotten maßgeblich erweiterten. 1998 wurden die Grotten standesamtlich gewidmet und die erste Hochzeit konnte vor der faszinierenden Kulisse des Märchendoms stattfinden. Seither wählten bereits weit mehr als 1 000 Paare aus ganz Deutschland diesen exklusiven Rahmen für eine Trauung in den „farbenreichsten Schaugrotten der Welt“ (Guinness-Buch der Rekorde 1993).

Die erfolgreiche Arbeit der Gesellschaft war für die Stadt Saalfeld Anlass, der Feengrotten GmbH ab dem 01.01.2000 zusätzlich die touristischen Aufgaben der Stadt Saalfeld zu übertragen und die Tourist-Information in das Unternehmen zu integrieren. Mit der Übernahme der "Saalfeld-Information" erfolgte die Umbenennung des Unternehmens in "Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH". Neben der Vermittlung von Unterkünften in Saalfeld und Umgebung sowie dem Verkauf von Veranstaltungskarten und touristischen Produkten für die gesamte Region wurden neue Stadt- und Erlebnisführungen durch die „Steinerne Chronik Thüringens“ entwickelt.

Gleichzeitig fanden in den Feengrotten bergmännische Arbeiten statt, um die Attraktivität des Besucherrundganges zu erhöhen. 2001 wurde vom Märchendom aus eine zweite Ausgangsstrecke durch ein mittelalterliches Abbaugebiet, die sogenannte Neue Strecke, angelegt. Im Jahr 2004 erfolgte die Aufwältigung der Barbara-Grotte auf der ersten Sohle und deren Einbindung in den Besucherrundgang.

In den Folgejahren begann die Feengrotten GmbH, das Unternehmen strategisch neu auszurichten, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und neue Zielgruppen zu erschließen. Die bestehenden Besucherrundgänge wurden umfassend überarbeitet und um thematische Führungen ergänzt. Diese erfreuen sich als Erlebnisrundgänge mit dem historischen Bergmann, der Grottenfee oder als Kinderführung unter dem Namen „Zwergentour“ noch heute großer Beliebtheit. Für ausländische Gäste wurden Audio-Guides konzipiert, mit denen der Rundgang durch die Grotten fortan auch in englischer und niederländischer Sprache erfolgen kann.


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