Hydrologie

Hydrologie

Die historische Entwicklung der Feengrotten, dem ehemaligen Alaunschieferabbau "Jeremias Glück", war stets eng gebunden an die geohydrologische Situation des Gebirges und seines Vorfeldes.

Mit der varistischen Gebirgsbildung in der Karbonzeit hat sich das unmittelbar oberhalb der Grotten steil aufsteigende Thüringer Schiefergebirge langsam angehoben und das heutige Vorfeld "geschleppt", das heißt, starken geomechanischen Beanspruchungen ausgesetzt. Dadurch zerklüftete das an sich harte, dichte, aber auch spröde Gestein, was sich im Wesentlichen aus ordovizischen Lederschiefern, silurischen Alaun- und Kieselschiefern sowie Knotenkalken zusammensetzt.

Somit konnten die mineralisch angereicherten Tiefenwässer weit ungehinderter emporsteigen und einen Teil der gelösten Stoffe in bestimmten oberflächennäheren Horizonten als Vererzung bzw. mineralische Ablagerung absetzen. Nachfolgend aufsteigendes Wasser schützte aufgrund seiner Zusammensetzung (meist neutral bis schwach alkalisch) das Gebirge vor dem Eindringen von saurem, sauerstoffhaltigem Oberflächenwasser und somit vor dem Wiederauflösen und Austragen der Ablagerungen sowie einer Auslaugung des Gesteines.

Dieser Vorgang war insbesondere in der nachfolgenden Zeit von Bedeutung, als das Gebirge durch äußere Einflüsse wieder abgetragen wurde, Täler entstanden und dadurch tiefere Schichten immer näher an die Oberfläche gerieten.

Mit Beginn des Bergbaus und dem damit einher gehenden Anlegen der Grubengebäude in Form untertägiger Hohlräume wurde der Entwässerungshorizont im Gebirge automatisch tiefer gelegt, nämlich in das Niveau der bergbaulichen Auffahrungen. Das unter einem gewissen statischen Vordruck anstehende Wasser entspannte im Einzugsgebiet, also in die bergbaulichen Hohlräume und floss über diese ab. Nun konnten jene sauerstoffhaltigen sauren Oberflächenwässer in das darüber liegende Gebirge eindringen und ihr geochemisches Werk beginnen.

Dies erfolgte nicht sofort sichtbar, denn derartige Prozesse brauchen Jahre, um langsam wirksam zu werden. Erst mit dem Auflassen des Bergbaus entstanden in aller Abgeschiedenheit jene Tropfsteine und Versinterungen, die zur späteren Eröffnung als Schaubergwerk führten. Die Entdeckung dieser Faszination an Form und Farbe gelang rein zufällig. Lediglich die Quellorte untertage wollte man anfangs lokalisieren, um das mineralreiche Wasser hermetisch fassen und verwerten zu können. Eigens hierfür wurde mit der damals zuständigen "Herzoglich Meiningischen Staatsregierung" am 14. Juli 1911 ein Vertrag über den Quellenschutz als Voraussetzung einer späteren Nutzung der Wässer abgeschlossen.

Ein Heilbad sollte auf Basis des noch immer reichlich abfließenden Grubenwassers entstehen, wozu es aber aus Geldmangel und weiterer wirtschaftlicher Umstände nie kam. Dafür wurde das alte Bergwerk im Jahre 1914 als Schaubergwerk eröffnet. Erst in den Jahren von 1924 bis 1926 wurden auf der zweiten Sohle alle Quellpunkte und -flächen gefasst und unter Luftabschluss ab 1927 dem auch zu diesem Zwecke neu erbauten Quellenhaus zur Verarbeitung zugeführt.

Begonnen hat die Wasseraufbereitung mit den am stärksten mineralisierten Wässern - den sogenannten roten und weißen Starkquellen. In peinlich genauer Zusammensetzung gelangte deren Mischung mit einem pH-Wert von 2,2 als die einst berühmten "Saalfelder Heilquellen" auf den Markt. Es war eine gesuchte Medizin. Mit großem Erfolg behandelt wurden Gicht, Gallen - und Nervenleiden, Blutarmut, Stoffwechselerkrankungen u.v.a.m. Dieses Heilwasser entsprang genau in der Kontaktzone zwischen aufsteigenden, eher alkalischen Tiefenwässern und den absteigenden, sauren und oxidierenden Oberflächenwässern. Mit der Niveauänderung der Staubeckentiefe konnte man also durch die geringen Druckunterschiede die Zusammensetzung des Heilwassers in bestimmten Grenzen variieren.

Es waren damals Deutschlands einzige Arsen-Eisen-Sulfat-Phosphat-Quellen. Vergleichsweise ähnliche Zusammensetzung weisen die Heilquellen in Levico-Vetriolo (Südtirol) auf, welche ebenso aus alten Schieferabbauen abfließen.

Erstmalig Anfang 1928 am Markt präsent, versiegten im Jahre 1964 die Quellen in einem solchem Maße, dass sich die Gewinnung nicht mehr lohnte. Ursache waren bergbauliche Erkundungsarbeiten in der Nähe der Feengrotten. Verschiedene Wasserhorizonte vereinigten sich über eine unsachgemäß verwahrte Bohrung und suchten sich andere, unbekannte Abflusswege. Trotz nachträglicher Beseitigung dieser störenden Eingriffe im Jahre 1992 kam die Quelltätigkeit nicht mehr in dem früher gewohnten Maße in Gang. Der Grund des Ausbleibens ist, dass die Natur die haarfeinen Mobilisierungsbahnen im Gebirge durch intensive Mineralisierung selbst wieder zugesetzt hat. Ein späterer Wiedereintritt in wirtschaftlicher Menge ist deshalb eher unwahrscheinlich.

Das Heilwasser hatte im Wesentlichen folgende Zusammensetzung:

Kationen mg/l Anionen mg/l
Cu2+ 23,0 SiO3 2- 28,9
Fe2+ 326,3

SO4 2-

3775,0

Fe3+

804,7

PO4 3 -

106,3
Al3+ 215,1

AsO3 3-

3,8

Ca2+

139,5 MoO4 2- 0,9
Mg2+ 41,7    
Na+ 20,2    
K + 6,4    
NH4 + 2,2    
Summe 1.589,3 Summe 3.914,9
  Gesamtgehalt     5.504,2  


Die Vermarktung des leichter mineralisierten Wassers, welches etwa siebzig Quellpunkten auf der zweiten Sohle entsprang, begann erst fünf Jahre später. Erstmalig kam es am 12. April 1933 unter der Bezeichnung „Gralsquelle" in den Handel. Es wies so günstige Eigenschaften auf, dass der Bedarf  beizeiten das Aufkommen überstieg. Bereits im Jahre 1939 wurde eigens hierfür eine Bohrung in die tieferen Gesteinshorizonte der Grottenumgebung niedergebracht. Es wird auch heute noch einer solchen entnommen.

Das Mineralwasser "Gralsquelle" (am Markt präsent) beinhaltet folgende wesentliche Bestandteile (an gelösten Stoffen):

Kationen mg/l Anionen mg/l

Ca2+

113,2

Cl -

44,9
Mg2+ 44,7 F- 0,9
Na+ 35,6 SO4 2- 239,0

K+

3,8 HCO3 - 310,
  Gesamtgehalt     839,0  


Die Zusammensetzung ist in ernährungsphysiologischer Sicht als sehr positiv zu bewerten. Nicht nur Sulfat und Hydrogencarbonat stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander. Es sind ebenso beachtliche Gehalte an Calcium und Magnesium zu verzeichnen, aber auch an Fluorid, welches gerade im Hinblick auf die Kariesprophylaxe von großer Bedeutung ist.

Die "Gralsquelle" wird ausschließlich am Quellort - den Saalfelder Feengrotten - aufbereitet und abgefüllt. Andere Abfüllorte gibt es nicht, ähnlich klingende Bezeichnungen sind irreführend. Die in den Grotten noch austretenden Tropf-, Quell-  und Sickerwässer  finden keine weitere Verwendung, da sie nicht mehr hermetisch gefasst und abgeleitet werden. Sie dienen nur noch der Erhöhung des Schaueffektes in den angestauten Quellbecken und zur Klimastabilisierung des Grubengebäudes.


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