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MINERALIEN UND CHEMISMUS

Vorkommende Mineralien

Rapidcreekit
Rapidcreekit ...
Annähernd dreißig teils recht seltene Minerale kennzeichnen die mannigfaltige Mineralisation in den Saalfelder Feengrotten. Im Alaunschiefer sind zahlreiche leichtere Elemente wie Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium oder Titan chemisch gebunden, in überdurchschnittlichem Maße aber auch Schwermetalle wie Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Chrom, Nickel, Vanadium u. a. m. Nur sie verleihen den mineralischen Ablagerungen eine derart große Farbenvielfalt. Die mitunter bizarr ausgebildeten Kristalle zeigen sich oft erst unter dem Mikroskop in ihrer ganzen Formen- und Farbenpracht wie hier der seltene Rapidcreekit - ein Calciumsulfatcarbonat.
 
Die meisten Tropfsteine in den Feengrotten bestehen aus der  relativ weichen, buttergelben Substanz "Diadochit", einem röntgenamorphen Eisen(III)hydroxy-Phosphat-Sulfat-Pentahydrat. Andere Sedimente hingegen bestehen aus wasserhaltigen eisenoxidischen Verbindungen, sie zeigen sich in ockergelben oder rot- bis schwarzbraunen Nuancen. Nur an einigen exponierten Stellen im aufsitzenden Ockerkalk bilden sich gelegentlich kleinere Tropfsteine und Sinterflächen aus Calciumcarbonat (Aragonit, Calcit) sowie anderen Carbonatverbindungen. Die überwiegend sauren bis stark sauren Bedingungen der Alaun- und Kieselschieferhorizonte  hingegen sind ein Spezifikum der Feengrotten, sie lassen die Ausbildung von Carbonaten nicht zu.

Der Chemismus der Tropfsteinbildung in den Saalfelder Feengrotten

Die Herausbildung von farbigen Tropfsteinen und Sedimenten in den Saalfelder Feengrotten unterscheidet sich gegenüber einer natürlichen Karsthöhle (beispielsweise einer im Kalkstein befindlichen Höhle) wesentlich.

Es ist allgemein bekannt, dass sich in Kalksteinformationen durch Zufuhr kohlendioxidhaltiger Wässer der Kalk (Calciumcarbonat) langsam auflöst unter Bildung des gut wasserlöslichen Calciumhydrogencarbonates nach folgender Gleichung:

CaCO3 + H2O + CO2 --> Ca(HCO3)2 (Auflösung des Gebirges)

Durch diesen chemischen Lösungsvorgang, auch Korrosion genannt, entstehen viele natürliche Hohlräume als Klüfte, Spalten oder Höhlen mit teils erheblichen Ausmaßen.

Die Bildung von Tropfsteinen, Versinterungen und Sedimenten hingegen ist gebunden an die Rückreaktion, das heißt, an den Entzug von Kohlendioxid aus einer hydrogencarbonathaltigen Lösung gemäß folgender Gleichung:

Ca(HCO3)2 --> CaCO3 + H2O + CO2 (Neubildung von Kalkstein)

Dieser gesamte Prozess verläuft sehr langsam, Jahrtausende sind die Regel bis zur Ausbildung ansehnlicher Tropfsteine, Sinterflächen und anderer Gebilde. Theoretisch kann das Wachstum eines Tropfsteines etwa 1 mm pro Jahr betragen, in praxi verläuft dieser Vorgang erheblich langsamer. Alle zehn bis fünfzehn Jahre pro mm Längenzunahme sind die Faustregel, sofern ständig Lösung nachfließt. Kommt es zu Trockenperioden, hört das Wachstum in dieser Zeit auf.

Barytkristalle (Bariumsulfat), als "Hahnenkamm" ausgebildet
Barytkristalle (Bariumsulfat), als "Hahnenkamm" ausgebildet ...
Die Tropfsteinbildung in den Feengrotten ist im Gegensatz dazu überwiegend an oxidative Prozesse unter merklicher Änderung des pH-Wertes gebunden.

Saures, sauerstoffreiches Oberflächenwasser löst beim Durchsickern durch das Gebirge verschiedene mineralische Bestandteile auf. Hierunter fallen bestimmte Sulfide, Sulfate, Phosphate, Carbonate u. a. m.

In diesen sind einige Schwermetalle wie Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Vanadium usw. in teils überdurchschnittlichen Konzentrationen chemisch gebunden.

Das Gebirge besteht im wesentlichen aus ordovizischen Lederschiefern sowie silurischen Alaun- und Kieselschiefern, teilweise überdeckt mit silurischen/devonischen Knotenkalkschichten.

Der in den Feengrotten ehemals abgebaute Alaunschiefer enthält etwa fünf Gewichtsprozent Pyrit (sulfidisch gebundenes Eisen, FeS2), welcher in Anwesenheit von Fe3+-Ionen nach folgender Reaktion oxidativ zerfällt:

FeS2 + 14 Fe3+ + 8 H2O --> 15 Fe2+ + 2 SO42- + 16 H+ (a)

Limitierender Vorgang für den Prozessablauf ist jedoch die Rückoxidation von Fe2+ zu Fe3+ wie folgt:

2 Fe2+ + 1/2 O2 + 2 H+ --> 2 Fe3++ H2O (b)

Die Rückoxidation zu Fe3+ gemäß (b) erfolgt im sauren Medium bei pH-Werten £ 4 in Anwesenheit des chemoautotrophen Bakteriums Thiobazillus ferooxidans. Sie ist somit an einen biochemisch ausgerichteten Ablauf gebunden!

Nur in untergeordnetem Maße findet eine Direktoxidation durch Luftsauerstoff statt wie folgt:

FeS2 + 7/2 O2 + H2O --> FeSO4 + H2SO4 (c)

Die gemäß Gleichungen a und c frei gesetzte bzw. überschüssige Schwefelsäure löst aufgrund ihrer Stärke erneut mineralische Bestandteile aus dem Gebirge, so dass es zu einer Fülle von Sekundärmineralienbildungen kommen kann.

Gelangt eine solche angereicherte Lösung als Tropf-, Quell- oder Sickerwasser aus dem Gebirge in die Grubenhohlräume der Feengrotten, nimmt sie zu einem beachtlichen Teil Sauerstoff auf (beispielsweise über die Oxidation von Fe2+ zu Fe3+). Dadurch wird ein Teil der überschüssigen Säureanteile gebunden, was mit einem Anheben des pH-Wertes einher geht.

Infolge dessen fallen verschiedene, ab etwa pH 3,5 unlösliche Verbindungen aus und lagern sich als Tropfsteine oder Sedimente ab.

Überwiegend bestehen diese aus Diadochit, einer weichen, buttergelben bis ockerfarbenen Substanz der chemischen Zusammensetzung

Fe2(OH)(SO4)(PO4) · 5H2O

Sie ist röntgenamorph, also nicht kristallin und daher nur im weitesten Sinne als Mineral zu verstehen.

Unter den genannten Bedingungen bilden sich Tropfsteine innerhalb weniger Jahre oder Jahrzehnte. Das Alter derselben ist in den Feengrotten deshalb auf maximal 250 bis 300 Jahre anzusetzen (vorher ging in den heutigen Grotten noch aktiver Bergbau um!). Die Länge der größten Stalaktiten misst etwa zwei Meter. Die Entstehung von Tropfsteinen aus Calciumcarbonat in Kalk-Höhlen würde für diese Größenordnung etwa 10.000 bis 15.000 Jahre in Anspruch nehmen.

Die enorme Farbenvielfalt der Feengrotten beruht auf dem Gehalt chemisch gebundener Schwermetalle in den Tropfsteinen und Sedimenten.

Eisen verleiht den Ablagerungen vorwiegend weißliche, gelbe, ockerbraune, rotbraune, schwarzbraune oder violette Farbnuancen. Kupfer hingegen zeigt sich in den Farben Grün und Blau, Vanadiumverbindungen erscheinen zitrusgelb und apfelgrün, die des Mangans dunkelbraun u. a. m. Oft sind die bizarren Kristalle nur unter dem Mikroskop zu erkennen.

Bisher in den Feengrotten nachgewiesene Mineralien:

1

AnkeritCaFe[CO3]2)
2AllophanAl2O3 ּ SiO2 ּ H2O         
3AluminitAl2[(OH)4/SO4 ּ 7H2O        ]
4AlunogenAl2(SO4)3 ּ 17 H2O
5ApatitCa5[(F,Cl,OH)/(PO4)3]
6AragonitCa[CO3]
7ArsenolithAs2O3
8BarytBa[SO4]
9BrochantitCu4[(OH)6/SO4]
10BrushitCaH[PO4] ּ 2H20
11Calcit(Ca[CO3])
12ChalkopyritCaFeS2
13Crandallit(CaAl3[(OH)6/PO3OH/PO4])
14DestinezitFe23+[OH/SO4/PO4] ּ 6H2O
15DiadochitFe23+[OH/SO4/PO4] ּ 6H2O (amorph)
16Dickit(Al4[(OH)8/Si4O10])
17DolomitCaMg[CO3]2
18DypingitMg5[(OH)2/(CO3)4] ּ 5H2O
19EpsomitMg[SO4]  ּ 7H2O
20FahlerzCu-S-As-Sb-Minerale
21“Gel”-DiadochitFe23+[OH/SO4/PO4] ּ 6H2O(amorph)
22GiniitFe3+Fe43+[(OH)2/(PO4)4] ּ 2H2O
23GipsCa[SO4] ּ 2H2O
24Goethitα-FeO(OH)
25HalotrichitFeAl2(SO4)4 ּ 22H2O   
26Hydrowoodwardit([Cu,Al)9(OH)18] [(SO4)2 ּ nH2O])
27Illit(K,H2O)Al2[(OH)2/Si,Al)4O10]
28JarositKFe3+[(OH)6/SO4)2]
29Lepidokrokitγ-FeO(OH)
30MarkasitFeS2
31MelanteritFe[SO4] ּ 7H2O
32MonohydrocalcitCa[CO3] ּ H2O
33PyritFeS2
34QuarzSiO2
35Rapidcreekit(Ca2[CO3/SO4] ּ 4H2O
36Sasait(Al,Fe)6 [(OH)3/PO4,SO4)5 ּ 36H2O]
37SchwertmannitFe163+[O16/(OH)10/SO4)3] ּ 10H2O
38Vashegyit(Al)6[(OH)3/(PO4)5] ּ 23H2O
39Volborthit(Cu3[(OH)2/V2O7] ּ 2H2O
40XenotimYPO4

Die beschriebenen Minerale kommen meist nur an exponierten Stellen und in sehr geringen Mengen vor. Sie sind deshalb nicht für Sammlerzwecke geeignet, aber dennoch von großem wissenschaftlichem Interesse. Besonders empfindliche Stücke haben sich unter den ständig wechselnden Bedingungen vor Ort wieder von selbst aufgelöst oder wurden rechtzeitig geborgen und musealen Zwecken zugeführt.

Derzeit nicht nachweisbar waren "Pissophan" (Garnsdorfit) und "Pitticit", welche einst in den Feengrotten gefunden und beschrieben wurden durch Erdmann, Breithaupt, v. Wichdorff u. a. m.

Die Untersuchungen zur Mineralisation werden fortgeführt.

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